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aiLetter #0.02: AI & Jobverluste, deutsche AI-Forschung, AI & die Beatles

aiLetter #0.02: AI & Jobverluste, deutsche AI-Forschung, AI & die Beatles

Liebe Freunde des aiLetter,

erst einmal vielen Dank für euer bisheriges Feedback! Auf geht’s in Testrunde zwei des aiLetters. Im Fokus: Wie beeinflusst AI unser Arbeiten? Plus: AI in Deutschland – Unternehmen, Forschung und Landespolitik. Und was hat AI mit den Beatles zu tun? Das Taillight klärt auf.

Viel Spaß beim Lesen wünscht

Anke


aiFocus: Das Thema der Woche

Kollege AI – die Bedrohung im Arbeitsmarkt?

Seit Jahren geistert eine Zahl durch die Medien: 50 Prozent der US-Jobs fallen bis 2030 durch Automatisierung und AI weg. Die Zahl stammt von den Oxford-Wissenschaftlern Michael Osborne und Carl Benedikt Frey. Jetzt erklärt Frey: Wir wurden missverstanden. Zwar hätten sie berechnet, dass 47 Prozent der heutigen Jobs in den USA technisch ein hohes Risiko haben, automatisiert zu werden. Das hieße aber nicht, dass dies auch umgesetzt wird. Faktoren wie Kosten, regulatorische Belange, politischer Druck und sozialer Widerstand würden entsprechende Entscheidungen massiv beeinflussen.

Wie viele andere glaubt Frey: Technologischer Fortschritt schafft langfristig immer mehr Arbeitsplätze. Bedrohlich für viele Arbeitnehmer sei die aktuelle Umbruchphase. Sie müsse durch politische Regulierung sozialer gestaltet werden. Mehr dazu in Freys neuem Buch „The Technology Trap“

AI kann es noch nicht…

In den USA muss ungefähr 13.000 Mal pro Tag die Identität eines Uber-Fahrers überprüft werden. Algorithmen können dies aber noch nicht vollständig leisten. Stattdessen gleicht ein Mensch in Indien das hinterlegte Foto mit dem Menschen am Steuer ab und klickt „OK“. Der sogenannte „Mechanical Turk“.

Neben hochbezahlten Datenwissenschaftlern und Entwicklern bringt der AI-Boom eben auch solche prekären Beschäftigungen als „Pseudo-AI“ mit sich. Wo schlecht bezahlte Microjobber als „menschliche Computer“ sonst noch einspringen, wenn die AI versagt, beschreiben die Microsoft-Wissenschaftler Mary L. Gray und Siddharth Suri in ihrem neuen Buch „Ghost Work“.

Machen wir uns ehrlich!

Im Hinblick auf die Gefährdung von Arbeitsplätzen durch AI sollten wir ehrlich bleiben. Blinde Panikmache um Massenarbeitslosigkeit verstellt den Blick auf das, was wirklich passiert.

Erfrischend sind Beispiele, die zeigen: hinter dem vermeintlichen Chatbot sitzt oft noch ein Mensch. AI bleibt eher ein „Fachidiot“, der meist standardisierte Tätigkeiten erfüllen. Mittelfristig ist das gut für uns: wir Menschen können uns mehr auf unsere Kernkompetenzen konzentrieren: schöpferisch und kreativ tätig sein, Ideen haben, sozial interagieren, uns neue Anwendungsfelder für intelligente Maschinen überlegen und umsetzen.

Aber kritisch denken, flexibel sein, Neues erschaffen und ständig dazulernen wollen – das müssen wir auch können. Die eigene Geisteshaltung ist für den Erfolg am Arbeitsmarkt der Zukunft entscheidend. Leider sind unsere Bildungs- und Weiterbildungssysteme noch meilenweit davon entfernt, Menschen entsprechend zu befähigen.

Investitionen in Fachkompetenz sind und bleiben ein MUSS – sowohl staatlich als auch durch Unternehmen. 700 Mio US-Dollar nimmt z.B. Amazon bis 2025 in die Hand, um ein Drittel seiner US-Angestellten, immerhin 100.000 Mitarbeiter, weiterzubilden, beispielsweise als Datenspezialisten. Hoffentlich inklusive angemessener ethischer Vorgaben, was sie wie aus den Datenbergen des Tech-Players machen sollen …


ai@Work: Lösungen im Einsatz

#Neuland? Nicht ganz – AI in Deutschland weit verbreitet

Fast zwei Drittel der Unternehmen hierzulande nutzen bereits AI und maschinelles Lernen oder arbeiten an entsprechenden Projekten. Das ergeben aktuelle Zahlen von IDG Research Services im Auftrag des Magazins Computerwoche und weiterer Partner. Die größten Vorteile sehen die Befragten in den Bereichen IT, Kundendienste und Produktionsumgebungen.

AI kommt zum Beispiel hier zum Einsatz:

Gesichtserkennung per Klick: Das Hamburger Start-up WebID setzt seit Kurzem auf AI-gestützte Online-Identifikation. Das System kommt zunächst bspw. in Online-Handel und Gaming-Industrie zum Einsatz.

AI findet Straßenschäden: Im Enzkreis in Baden-Württemberg überprüft ein Bilderkennungsprogramm mit AI die Mitarbeiter des Landkreises beim Auffinden von Straßenschäden. So sollen diese früher erkannt und günstiger behoben werden.


aiInvest: Wer investiert wo?

Nicht ganz so viel Venture aber trotzdem viel Geld

Die EU-Kommission investiert 35 Mio. Euro in AI-Forschung für die Krebsfrüherkennung. Gefördert werden sollen Projekte, die brauchbare Daten zusammenführen und so die wichtige Grundlage dafür schaffen, dass Bilderkennungsprogramme besser trainiert werden können.


aiLab: ein Blick in Forschung & Entwicklung

KI-Forschung an deutschen Unis

Auch in der Wissenschaft wird hierzulande fleißig an AI-Projekten gearbeitet. Zum Beispiel so:

  • Kann ein Computer Zeitgefühl haben? Das fragten sich Forscher der Universität Heidelberg und weiterer Forschungseinrichtungen. Sie entwickelten ein neuronales Netzwerk, das errechnet, ob ein Sachverhalt rückgängig gemacht werden kann oder nicht. Die Erkenntnisse könnten helfen, um ungewollte Nebenwirkungen von AI-Systemen einzudämmen. Zum Research Paper
  • AI übernimmt im Cockpit: Ein Autopilot hat kürzlich ein kleines Passagierflugzeug mit Menschen an Bord sicher gelandet. Das System bedient sich AI-gestützter Bilderkennung und landet Flugzeuge „auf Sicht”. Entwickelt wurde es an den Technischen Universitäten in Braunschweig und München. Profitieren sollen vor allem kleine Flugzeuge und Flugplätze, die oft nicht über die nötige bodengebundene Infrastruktur verfügen. Video der Landung
  • Verstärkt AI Geschlechterklischees? Nicht einmal jede vierte AI-Fachkraft ist eine Frau. Alexa und Siri sprechen mit weiblichen Stimmen. Was bedeutet das? Zum Beispiel für unsere Kinder, die mit Sprachassistenten und Co. aufwachsen. Die Universität Magdeburg widmet sich diesen Fragen jetzt in einem öffentlichen Dialogprojekt. Mitmachen erwünscht!


aiPolicy: Politik & Rahmenbedingungen

AI-Strategie für Schleswig-Holstein

Die neue AI-Strategie der Landesregierung will Projekte bis Ende des Jahres mit sieben Mio. Euro fördern. Zu den acht Handlungsfeldern zählen Energie, Umwelt, Verkehr und die Verwaltung. Ein Expertenrat soll ethische und gesellschaftsrelevante Fragen aufgreifen. Die Initiative wird von vielen Stakeholdern positiv bewertet. Mancher hält die Fördersumme jedoch für zu gering.

Einen ersten Überblick zum Thema AI und Ethik gibt auch diese Folge des AI-Podcasts des Software-Anbieters SAS.


aiKeyword: Grundbegriffe erklärt

Künstliche Intelligenz / Artificial Intelligence

Was versteht man unter dem Begriff Artificial Intelligence und wo kommt er her? Prof. Richard Lackes definiert KI im Gabler Wirtschaftslexikon wie folgt:

Artificial Intelligence / Künstliche Intelligenz: Erforschung „intelligenten” Problemlösungsverhaltens sowie die Erstellung „intelligenter” Computersysteme. Künstliche Intelligenz (KI) beschäftigt sich mit Methoden, die es einem Computer ermöglichen, solche Aufgaben zu lösen, die, wenn sie vom Menschen gelöst werden, Intelligenz erfordern.

Lackes erklärt darüber hinaus, welche Methoden zum Informatik-Teilbereich der AI gehören, z.B. lernende Algorithmen, Bild- und Spracherkennung oder Robotik.


aiDeepDive: Noch mehr AI zum Wochenende

AI auf großer Fahrt

Was ist Artificial Intelligence genau? Wie lernt ein Computer? Wo wird in Deutschland mit AI geforscht? Eine Wanderausstellung der besonderen Art widmet sich aktuell diesen und weiteren AI-Fragen. Noch bis Ende Oktober 2019 ist die MS Wissenschaft in Deutschland und Österreich unterwegs. Aktuell liegt das Schiff in Bonn vor Anker.

Noch mehr AI erleben? In Wien beschäftigt sich die Ausstellung „Uncanny Values“ noch bis zum 6.10.2019 mit der Frage, was AI mit uns macht und wie sie uns auf verschiedenen Ebenen beeinflusst.

Interview: AI-Experte Tony Walsh erklärt, warum wir uns eher um maschinelle Dummheit als um maschinelle Intelligenz sorgen sollten. Und er antwortet auf die Frage, ob AI unser neuer Gott wird.

Plus: „Wie intelligent ist Artificial Intelligence?“ – Dieser Frage widmet sich das Video im Interview. Spoiler: AI ist in etwa so intelligent wie ein Pferd.


aiTaillight: Ein Fun Fact zum Schluss

Paul oder John? AI deckt auf, aus welcher Feder umstrittene Beatles-Songs stammen

Forscher der Harvard-Universität trainierten einen Algorithmus mit hunderten Songs der Pilzköpfe, um einen „musikalischen Fingerabdruck“ für jeden der vier Musiker zu erstellen. Seit Jahren streiten Paul McCartney und John Lennons Witwe Yoko Ono über verschiedene Songs. Das Ergebnis: „In My Life“ stammt mit über 80-prozentiger Sicherheit von Lennon, „From Me To You“ wurde mit 97-prozentiger Wahrscheinlichkeit von McCartney geschrieben.


Dies ist eine der ersten Ausgaben des aiLetters. Wir freuen uns deshalb besonders über Feedback: feedback@ailetter.de
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