aiLetter #1.18: ARIC startet in HH, AI-Mayflower, Tesla distanziert Toyota & VW, Google größter AI-Einkäufer, Boeing geht Solo, AI und Antibiotika, EU-Weißbuch, US-Defense-Papier, InspiroBot klopft schlaue Sprüche

Liebe Freunde des aiLetter,

auch die heutige Ausgabe Eures aiLetter bekommt Ihr zum Wochenbeginn. Diesmal beschäftigen wir uns mit der Eröffnung des Artificial Intelligence Center in Hamburg, der Pilgerreise einer AI-Mayflower nach Neuengland, dem scheinbar großen AI-Vorsprung von Tesla vor Toyota und Volkswagen, den AI-Einkäufen von Google, einem neuen Solo-Trip-Projekt von Boeing und dem Einsatz von AI in der Generierung eines neuen Stammes von Antibiotika. In aiPolicy und im DeepDive findet Ihr einiges zum gerade erschienenen AI-Weißbuch der Europäischen Kommission und einem Regelpapier des US-Defense Innovation Board. Und im Taillight könnt Ihr mit dem InspiroBot schlaue Sprüche und hübsche Poster generieren.

Viel Spaß dabei!

PS: Der aiLetter geht ab Aschermittwoch kurz in die Fastenzeit … und erscheint wieder zum Wochenende der 10. Kalenderwoche.  


ai@Work: Lösungen im Einsatz

AI startet durch – ARIC Eröffnung im Hamburger Dockland

In der Metropolregion Hamburg wird Artificial Intelligence jetzt konzentriert. Mit der offiziellen Eröffnung des ARIC-Zentrums (Artificial Intelligence Center Hamburg e. V.) im Dockland startete die Arbeit. Das ARIC versteht sich als branchen- und themenübergreifender Ansprechpartner für alle Fragen im Bereich der Künstlichen Intelligenz und vereint dabei bereits diverse vielfältige Stakeholder aus Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft. Zur Eröffnung überreichten Michael Westhagemann, Senator für Wirtschaft, Verkehr und Innovation der Hansestadt, und Ralf Sommer, Vorstand der IFB (Hamburger Investitions- und Förderbank), mit einem Förderbescheid über 400.000,- Euro das passende Startgeschenk.

(Foto: aiLetter)

IBM und Marine AI pilgern mit der Mayflower nach Neuengland

Die Pilgerfahrt der Mayflower von Plymouth in England nach Massachusetts im Jahr 1620 ist Vorbild … nun wollen die Unternehmen Marine AI und IBM ein kleineres Modell ohne Besatzung auf die Reise senden. Die komplette Navigation und Steuerung des autonom fahrenden „Mayflower-Boots“ soll auf der langen Seereise von einem AI-basierten Edge-Computing-Modul übernommen werden. Das Training der Artificial Intelligence Lösung mit Ozeandaten übernehmen dabei die Universität von Plymouth und ProMare, eine gemeinnützige Meeresforschungsorganisation.

Ist Tesla in seiner AI-Nutzung 6 Jahre weiter als VW und Toyota?

Toyota und Volkswagen verkauften zuletzt jährlich mehr als 10 Millionen Autos, Tesla im letzten Jahr mit ca. 367.500 nicht einmal 4 % davon. Doch im Hinblick auf Elektronik und hier speziell die Nutzung von Technologien der Artificial Intelligence scheint das Unternehmen von Elon Musk weit voraus zu sein. Japanische Ingenieure von Nikkei Business haben einen Tesla Modell 3 komplett auseinander gebaut und fanden dabei elektronische Bauteile, die nach ihrer Ansicht der Technik der klassischen Autobauer 6 Jahre voraus sind. Insbesondere die AI-Chip bestückten Elektronik-Boards für Autonomes Fahren und Infotainment sollen zukunftsweisende technische Lösungen sein.

Ein AI-Chip-Board für autonomes Fahren und eine Mediensteuereinheit für das „Infotainment“-System … und zwischen den Einheiten ist ein wassergekühlter Kühlkörper installiert. (Foto: Nikkei xTech)


aiInvest: Wer investiert wo?

Google liegt in der Rangliste der Einkäufer von AI-Startups vorn

Seit 2009 hat Google laut dieser Rangliste von RS Components mehr AI-Startups gekauft als jedes andere Unternehmen. Auf Basis von Crunchbase-Daten und Informationen aus Quellen wie Wall Street Journal und Business Insider ermittelte RS Components, dass Google in den letzten 11 Jahren 30 Startups zu Gesamtkosten von beinahe 4 Mrd. Dollar gekauft hat. Dazu gehörten unter anderem die Übernahme von Onward im Jahr 2019 sowie die Käufe von DeepMind im Jahr 2014 und PittPatt im Jahr 2011. Auf den Plätzen zwei und drei der Rangliste folgen Apple und Facebook, wobei Apple 18 KI-Unternehmen für 886 Millionen Dollar und Facebook 12 für etwas mehr als 1 Milliarde Dollar erwarb.

Boeing auf Solo-Trip

Der amerikanische Flugzeughersteller ist momentan weltweit hinter Airbus vor allem wegen des Desasters mit dem Unglücksflieger 737-Max nur noch die Nummer 2. Setzt der Konzern deshalb jetzt auf neue Lösungen? Boeing sponsert einen GoFly-Wettbewerb, bei dem Prototypen von Solo-Passagierdrohnen miteinander konkurrieren. Die Auswahl begann mit 850 Teilnehmern und ist nun auf fünf Teams aus der ganzen Welt reduziert. Der finale Wettbewerb findet am 29. Februar statt und das Gewinnerteam erhält 1 Million Dollar.


aiLab: ein Blick in Forschung & Entwicklung

Artificial Intelligence identifiziert neue hochwirksame Antibiotika

Ein vom MIT (Massachusetts Institute of Technology) entwickeltes AI-Modell hat eine antibiotische Verbindung identifiziert, die in der Lage war, „viele der weltweit problematischsten krankheitsverursachenden Bakterien“ zu vernichten, einschließlich einiger bisher antibiotikaresistenter Stämme, berichten die MIT News. In nur wenigen Tagen kann der maschinelle Lernalgorithmus Millionen von chemischen Verbindungen durchsuchen und dabei hochwirksame neue Antibiotika identifizieren. „Unser Ansatz hat dieses erstaunliche Molekül enthüllt, das wohl eines der leistungsstärksten Antibiotika ist, das jemals entdeckt wurde“, sagt Professor James Collins.

Laut The Next Web kann das neue Halicin-Antibiotikum auch das bisher gegen Antibiotika resistente Bakterium Acinetobacter baumannii bekämpfen, das in den letzten Jahren diverse Soldaten im Irak-Einsatz infiziert hatte.


aiPolicy: Politik & Rahmenbedingungen

Schon wieder: Europäische Union und Artificial Intelligence

Die Europäische Union hat in dieser Woche ihr Weißbuch zur Künstlichen Intelligenz vorgelegt. Auf 32 Seiten werden „politische Optionen“ für ein koordiniertes europäisches Konzept beschrieben. (Das vollständige Dokument könnt Ihr über den Link im DeepDive beziehen.)

AI Nutzung soll laut des Papiers sowohl gefördert als auch deren Gefahren begrenzt werden. Allein dieser Spagat ist schon schwierig zu gehen. Doch noch problematischer: von dem ursprünglich durch die Europäische Kommission angedachten fünfjährigen Moratorium für Gesichtserkennung ist tatsächlich nichts übrig geblieben.

Die Europäische Kommission rudert im Weißbuch bei Gesichtserkennung zurück … (Foto: Quartz)

Die Bedenken vieler Fachleute will die EU nun damit berücksichtigen, dass sie eine „breit angelegte europäische Debatte einleitet“. Besonders pikant: Intercept berichtet aktuell von durchgesickerten Berichten, die zeigen, dass die Polizeibehörden diverser EU-Staaten ein paneuropäisches Netzwerk von Datenbanken zur Nutzung von Gesichtserkennung planen.

 

US-Verteidigungsministerium will AI-Projekte einheitlich regeln

Das US-Verteidigungsministerium will einer Veröffentlichung von Defense One zufolge Regeln für die Entwicklung und Umsetzung von AI-Projekten verabschieden. Der Sprecher des Joint Artificial Intelligence Center des Pentagon betont, das Ministerium „befindet sich in der Endphase der Annahme von AI-Prinzipien, die im gesamten US-Militär umgesetzt werden“.

Vor einigen Monaten veröffentlichte bereits das unabhängige Defense Innovation Board ein Papier mit dem Titel „Empfehlungen zur ethischen Nutzung der AI“. (Auch dieses Papier findet Ihr im aktuellen DeepDive.)

Die bevorstehenden Regelungen des Pentagon werden wohl weite Teile dieses Entwurfs aufgreifen, die strenger sind als viele AI-Regeln von Technologie-Unternehmen wie Google. Ziel sei es vor allem, die „menschliche Kontrolle über AI-Systeme“ zu behalten, berichtet Defense One.


aiDeepDive: Vertiefung für ruhige Lesestunden

Lesetipp 1: „Weißbuch zur Künstlichen Intelligenz“ der Europäischen Union

Ja, es ist lesenswert … in diesem Papier der Europäischen Kommission wird die ganze Bandbreite der verschiedenen Interessen rund um die Entwicklung und Nutzung von Artificial Intelligence deutlich. Und zwar sowohl in dem , was drin steht als auch in dem, was nicht oder nur nebulös berührt wird.

Lesetipp 2: „Empfehlungen zur ethischen Nutzung von AI“ des US Defense Innovation Board

Wenn es um den militärischen Einsatz von Artificial Intelligence geht, werden hier Maßstäbe gesetzt. Die USA sind auf diesem Gebiet dem Rest der Welt weit voraus und eben auch tonangebend im Bereich möglicher Regelungen. Und der Terminator lässt eben doch noch nicht grüssen …


aiTaillight: Ein FunFact zum Schluss

„Kluge“ Zitate und Poster vom InspiroBot

Der US-Künstler Christian Bolt hat mit dem AI-basierten InspiroBot humorvolle (?) Sprüche und Poster erstellt, die er in einem neuen Video präsentiert. Auf seinem YouTube-Kanal erklärt Bolt, dass der Bot auf der Grundlage vieler anderer Zitate, an denen er trainiert wurde, motivierende und lustige Sprüche generiert und diese mit Fotos kombiniert. Einige Zitate, die Bolt teilt: „Familienzeit ist normalerweise von Massenhysterie begleitet“ und: „Glaubst du, dass Androiden das sind, was sie sind, weil alles ewig ist?“

Probiert es doch selbst aus: Auf der InspiroBot-Webseite klickt man einfach auf die Schaltfläche und der Bot erledigt den Rest.


Wir freuen uns immer über Anregungen und Feedback zum aiLetter: feedback@ailetter.de


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