aiLetter #1.17: AI soll Hits entdecken, 10 Top-AI-Unternehmen, Shells AI-Ausbildung, US erhöht Budget, Facebook Einkaufstour, AI in Medizin & Journalismus, EU Kommission knickt ein, Wettbewerbswandel & AI, Verbot in Holland, AI auf dem Prüfstand,  Travis Bott rappt …

Liebe Freunde des aiLetter,

wie angekündigt konnten wir aus organisatorischen Gründen in der letzten Woche nicht erscheinen und die heutige Ausgabe Eures aiLetter bekommt Ihr zum Wochenbeginn. Ungeachtet dessen findet Ihr auch in dieser Ausgabe eine bunte Mischung von Informationen aus der Welt der Artificial Intelligence: der nächste Musikhit soll durch AI entdeckt werden, 10 aufstrebende AI-Unternehmen, die AI-Ausbildungsoffensive von Shell, US-Regierung erhöht massiv ihr AI-Entwicklungsbudget, die Facebook-Einkaufstour geht weiter, AI soll die Behandlung von Depressionen verbessern, der Einsatz von AI im Journalismus wird intensiviert und die Europäische Kommission wankt in ihrer Haltung zur Gesichtserkennung.

Im DeepDive gibt es drei Lesetipps für ruhige Stunden: Wie entwickelt sich der unternehmerische Wettbewerb in Zeiten der AI? Ein holländisches Gericht verbietet behördliche Betrugserkennungs-Software, AI-Anwendungen in Deutschland auf dem Prüfstand. Und im Taillight bekommt Ihr etwas auf die Ohren: Travis Bott rappt …

Viel Spaß beim Lesen und Hören!


ai@Work: Lösungen im Einsatz

Wird der nächste große Musiker von AI entdeckt?

Das neue Musik-Label Snafu nutzt Artificial Intelligence Technologie, um auf Plattformen wie z.B. YouTube, Spotify, Tiktok und SoundCloud neue Künstler mit Musikstücken zu finden, die das Potential zum nächsten Hit haben. Der Algorithmus sucht dabei nach Stücken, die ähnlich sind wie Musik aus der Spotify-Top-200-Liste … aber differenziert genug, um neu und frisch zu klingen. Mit Hilfe der AI will man sich vor allem einen Vorsprung vor konkurrierenden Musik-Labeln beim Aufspüren neuer Künstler machen.

… den nächsten Hit will Snafu mit Hilfe von Artificial Intelligence entdecken (Foto: Engadget)

10 aufstrebende Unternehmen der Artificial Intelligence

AI kann nahezu jede Branche disruptieren und nicht jede Anwendung findet ungeteilten Beifall. Das Cambridge Innovation Institute hat nun 10 aufstrebende Unternehmen identifiziert und in seinen aitrends vorgestellt, die nach Ansicht der Experten die wahren Möglichkeiten von Artificial Intelligence nutzen, um unser Leben einfacher und effizienter zu gestalten.

Shell startet unternehmensweite AI-Ausbildungsoffensive

Die britisch-holländische Ölgesellschaft Shell rollt ein online-gestütztes Weiterbildungs-Programm zu Artificial Intelligence aus. Mitarbeiter sollen lernen, wie man mit Hilfe von AI-gestützten Technologien Kosten reduzieren, zusätzliche Erlöse generieren und Geschäftsprozesse verbessern kann. Von den weltweit ca. 82.000 Mitarbeitern interessieren sich bereits 2.000 für die freiwilligen Kurse des Programms, das in Zusammenarbeit mit dem Online-Ausbilder Udacity angeboten wird.


aiInvest: Wer investiert wo?

US-Regierung will Ausgaben für AI Forschung massiv erhöhen

Der Haushaltsvorschlag der US-Regierung für 2021 sieht laut Wall Street Journal eine erhebliche Aufstockung der KI-Finanzierung in mehreren Regierungsbehörden vor, darunter für die Defense Advanced Research Projects Agency (DARPA) und die National Science Foundation (NSF). Während die vorgesehenen Ausgaben für Forschung und Entwicklung insgesamt sinken würden, würden sich die Ausgaben für die Forschung in AI und die Quanteninformationswissenschaften etwa auf 1.1 Milliarden US-Dollar verdoppeln.

In einem Artikel der New York Times ist nachzulesen, wofür die hohen zusätzlichen Mittel ausgegeben werden sollen.

Facebook ist weiter auf AI-Einkaufstour

Der amerikanische Gigant hat in den letzten Jahren seine Kompetenz in Artificial Intelligence mit eigenen Entwicklungen, aber auch vor allem mit Zukäufen von Startups in diesem Bereich massiv ausgebaut. Anfang des Monats wurde der Kauf des Londoner Unternehmens Scape Technologies veröffentlicht. Das Startup beschäftigt sich mit „Visual Positioning Service“, der auf Basis von Echtzeit-Fotos und -Videos eine wesentlich genauere Standortbestimmung als GPS ermöglicht und damit Basis für Augmented Reality Anwendungen der nächsten Generation sein soll.

(Grafik: Scape Technologies)

Nun wurde bekannt, daß bereits im Dezember des letzten Jahres das ebenfalls britische Startup Deeptide Ltd. erworben wurde. Zu Deeptide gehört Atlas ML, die Betreiber der Plattform „Papers with Code“, einer bisher freien Ressource für offene Veröffentlichungen und Tools zum maschinellen Lernen.


aiLab: ein Blick in Forschung & Entwicklung

Artificial Intelligence soll Behandlung von Depressionen verbessern

Die schnelle und präzise Erkennung von Korrelationen ist eine spezifische Stärke von Ai-gestützten Anwendungen. Wissenschaftler aus Stanford haben jetzt mit Hilfe eines maschinellen Lernalgorithmus ein Verfahren entwickelt, bei dem bestimmte Hirnwellen anzeigen, daß ein spezielles Medikament bei Depressionen besonders wirksam ist. Die noch im Versuchsstadium befindliche Anwendung soll nun auf weitere Medikamente und psychische Krankheiten ausgeweitet werden.

(Grafik: Zoloft)

Neue Entwicklungen mit AI im Journalismus

Bloomberg und Reuters machen mit neuen Ai-basierenden Entwicklungen auf sich aufmerksam. Das Cyborg-System von Bloomberg soll dabei einen Finanzbericht im Augenblick seines Erscheinens sezieren und Meldungen mit den wichtigsten Fakten und Zahlen generieren.

Reuters hingegen entwickelt in Zusammenarbeit mit dem Londoner Startup Synthesia ein vollautomatisches System für Kurznachrichten im Sport. Der Clou ist ein Moderator, dessen real gefilmte menschliche Ausgangsbasis mit einer AI-Anwendung digital kopiert und der entsprechenden Sportnachricht angepasst wird …

(Bild: Reuters/ Synthesia)


aiPolicy: Politik & Rahmenbedingungen

Europäische Union und ihre schwankende Haltung zu Artificial Intelligence

Während Margrethe Vestager, die zuständige Kommisarin der Europäischen Kommision, vor einigen Tagen Artificial Intelligence noch zu einer Frage von Leben oder Tod für uns erklärte, soll die Europäische Union nun beschlossen haben, auf eigene Regelungen z.B. im Fall von Gesichtserkennungs-Software zu verzichten. Nach einer Meldung der Financial Times sollen statt dessen die Mitgliedsstaaten eigene Regelungen entwickeln und umsetzen. Damit sei der bisher geplante EU-Entwurf vom Tisch, der für den Einsatz der Technologie sehr rigide Regelungen auf europäischer Ebene vorsah und gerade von Bürgerrechtlern sehr begrüßt wurde. Maßgeblichen Einfluss dagegen hätten Sicherheitsorgane ausgeübt …


aiDeepDive: Vertiefung für ruhige Lesestunden

Lesetipp 1: Unternehmerischer Wettbewerb in Zeiten der AI

In einer AI-getriebenen Welt können digitale Unternehmensmodelle gigantische Wachstumsraten erreichen, Märkte neu entstehen und bestehende schnell kollabieren lassen. So lautet ein Resümee der beiden Harvard-Forscher Marco Iansiti und Karim Lakhani, die ihre Ergebnisse in einem lesenswerten Artikel der Harvard Business Review präsentieren.

Lesetipp 2: Holländisches Gericht verbietet AI-Einsatz zur Betrugsentdeckung

Ein holländisches Gericht hat den Sozialbehörden des Landes den Einsatz einer AI-gestützten Software zur Betrugserkennung bei Sozialhilfeempfängern verboten. Das System SyRI war als ein Risikoberechnungsmodell entwickelt worden, um die Wahrscheinlichkeit einer Person vorherzusagen, dass sie sich an Leistungen und Steuerbetrug sowie an Verstößen gegen das Arbeitsrecht beteiligt. Die Berechnungen von SyRI zapften einen riesigen Pool persönlicher und sensibler Daten an, von Beschäftigungsunterlagen bis hin zu Bildungs- und Wohndaten.

Lesetipp 3: Algorithmische Anwendungen in Deutschland auf dem Prüfstand

Die Bertelsmann Stiftung hat eine Studie herausgegeben, die fünf Anwendungsfälle algorithmischer Systeme auf den Prüfstand stellt. Die Autorengruppe zeigt, daß hierzulande insbesondere Anwendungen, die auf Basis personenbezogener Daten vollautomatische Entscheidungen treffen würden, mit dem bestehenden deutschen Rechtsrahmen und mit übergreifenden europäischen Regelungen nicht vereinbar sind.


aiTaillight: Ein FunFact zum Schluss

Travis Bott macht Musik …

Der Rapper, Songwriter und Produzent Travis Scott hat einen digitalen Zwilling bekommen: Travis Bott. Unter Nutzung von AI wurde für den digital gezeugten Musiker ein Song mit an die Musik seines Vorbildes angelehntem Klang und nach Erkenntnis der Produzenten nicht so ganz passender Lyrik entwickelt. Das im vorstehenden Link abrufbare offizielle Video zeigt Bott, wie er mit dem Rest seiner AI-Crew um einen Lamborghini zu seinem Song „Jack Park Canny Dope Man“ tanzt. Naja, wem’s gefällt … ist Geschmacksache.

(Bild: Suzanne Cordeiro)


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