aiLetter #1.15: Björk macht Musik, AI in Medizin, AI gegen Kinderpornos, Investitionen in Cardiologs und Scoutbee, das „Auto“ Origin, EU gegen Gesichtserkennung, Skandal Clearview AI, AI übersetzt Tiersprache

Liebe Freunde des aiLetter,

Artificial Intelligence hat viele Anwendungen, von denen wir nicht wissen, was wir von ihnen halten sollen. Wenn Björk mit Hilfe einer Microsoft AI-Anwendung die Gäste eines New Yorker Hotels mit Klängen verzaubert, dann finden aber nicht nur wir das toll!

Wir haben interessante Artikel zum Einsatz von Artificial Intelligence in der Medizin für Euch, berichten über den Einsatz von AI gegen Kinderpornografie in Niedersachsen, interessante Investitionen und Investitionsvolumen in Europa und zeigen ein wirklich ungewöhnliches „Auto“.

Ein Schwerpunkt ergab sich automatisch: mit der Aufdeckung des Skandals um das US-amerikanische Unternehmen Clearview AI durch die New York Times und die Initiative der Europäischen Union dreht sich aktuell viel um Auswüchse der Gesichtserkennung.

Unser Taillight ist tierisch … Dr. Doolittle hätte seine helle Freude.

Viel Spaß bei der Lektüre und ein schönes Wochenende wünschen Euch

Anke und Bernd


ai@Work: Lösungen im Einsatz

Björk macht mit Artificial Intelligence von Microsoft wetterabhängige Musik

Die für ihre innovativen Auftritte bekannte isländische Sängerin Björk produziert mit einer AI-Anwendung von Microsoft Musik für das New Yorker Hotel Sister City. Die im Hotel gespielte Musik verändert sich mit der Jahreszeit, derTageszeit und dem aktuellen Wetter. Dazu wird die Microsoft-Software mit einer Live-Außenkamera und Messgeräten am Hotel an der Lower East Side verbunden.

Björk’s Klänge verzaubern die Gäste eines New Yorker Hotels – produziert mit AI von Microsoft
(Foto: Microsoft)

Scott Stein, Redakteur bei CNET, hat das Hotel vor einigen Tagen besucht und berichtet begeistert in seinem hier verlinkten Beitrag. Scott Stein fand das Musik- und Klangerlebnis so beeindruckend, daß er eine entsprechende Anwendung nun gerne zuhause haben möchte. Ein neues Geschäftsfeld für Microsoft?

Künstliche Intelligenz – Pro und Contra zum Einsatz in der Medizin

Das Krankenhaus „Barmherzige Brüder“ in Regensburg zieht nach sechs Wochen des Einsatzes einer KI-gestützten Technik für Darmspiegelungen positive Bilanz. Mit mehr als 90 % Zuverlässigkeit würden potentiell problematische Stellen in der Darmwand entdeckt und die damit erreichte Erkennungsrate sei höher als die geübter Mediziner. Doch die Kompetenz, mit den Daten verantwortungsbewusst umzugehen, wird KI nach Ansicht des Regensburger Chefarztes nicht leisten können und damit Ärzten vorbehalten bleiben.

Zum Thema des Einsatzes von Artificial Intelligence in der Medizin hat auch Google vor kurzem eine Studie vorgestellt. Was zunächst vor allem die Chancen deutlich zu machen schien, zeigt aber wohl auch die Risiken, die hier lauern. Wenn Ärzte die falschen Fragen stellen oder die falschen Schlüsse aus den Ergebnissen der AI-gestützten Diagnosetools stellen, würde schlechte Medizin noch schlechter gemacht.

Polizei in Niedersachsen setzt KI-Software im Kampf gegen Kinderpornos ein

IT-Spezialisten des niedersächsischen Landeskriminalamtes haben eine KI-gestützte Anwendung entwickelt, mit der Online-Inhalte wesentlich schneller auf kinderpornografisches Material durchsucht werden kann. Von der erheblich höheren Geschwindigkeit erhoffen sich die Experten einen effizienteren Einsatz ihrer Fahnder und damit eine höhere Entdeckungsrate und einen schnelleren Zugriff auf Täter.

Wilder Westen – der Job nach der Universität und die Hürde der AI-Interviews

Wir berichteten im letzten aiLetter bereits über dieses Thema. Hier noch ein aktueller Artikel aus CNN-Business dazu … Matthew French, ein Verantwortlicher der University of North Carolina (UNC), sagt: “Was mich an AI beunruhigt, ist, daß AI nicht das Herz eines Menschen und seinen Antrieb erkennen kann.“ Stößt Artificial Intelligence hier an ihre Grenzen?


aiInvest: Wer investiert wo?

15 Millionen Dollar für ein französisches Herzmedizin-Startup

Unabhängig von der Diskussion über Chancen und Risiken des Einsatzes von AI in der Medizin wird weiter kräftig investiert. Cardiologs, ein französisches Medizintechnik-Startup, hat in einer ersten Finanzierungsrunde 15 Millionen Dollar eingesammelt. Damit sollen die AI-basierenden Diagnose-Tools des Unternehmens weiter entwickelt werden.

Scoutbee erhält 60 Millionen Dollar für Ausbau der digitalen Beschaffungsplattform

Digitale Beschaffungsplattformen zur besseren Verbindung von Einkäufern und Lieferanten liegen voll im Trend. Das Berliner Unternehmen Scoutbee hat nun in einer weiteren Finanzierungsrunde 60 Millionen Dollar erhalten, um die Internationalisierung des Geschäfts voran zu treiben. Und die Geschäftsführer freuen sich …

(Fabian Heinrich – Gregor Stühler – Lee Galbraith, Foto: Scoutbee)

2019 – ein Rekordjahr für Risikokapital-Investitionen in Großbritannien

Brexit hin, Brexit her … im United Kingdom wird weiter kräftig in die Zukunft investiert. Nach den hier detaillierten Statistiken wurde 2019 in Großbritannien mehr in entsprechende Unternehmen – nicht nur im Bereich Artificial Intelligence – investiert als in Deutschland und Frankreich zusammen. Aussagekraft über die Effizienz der damit eingesetzten Mittel hat dies natürlich nicht …


aiLab: ein Blick in Forschung & Entwicklung

Origin – ein fahrerloses Auto ohne Lenkrad und Pedale aus den USA

Cruise, ein Unternehmen im Mehrheitsbesitz des US-amerikanischen General-Motors Konzerns, hat einen Prototyp eines ersten fahrerlosen Autos ohne Lenkrad und Pedale vorgestellt. Auto? Die Cruise-Mitarbeiter nennen es nicht Auto, sondern „Das Eigentum“. Dieses Elektrofahrzeug erinnert irgendwie an Star-Wars-Vehikel und was sofort auffällt, ist der im Verhältnis zu den Außendimensionen riesige Innenraum. Kernidee des Projekts war eben von Anfang an, das Gefährt ohne Fahrer zu bauen.

Cruise’s erstes vollständig fahrerloses Fahrzeug - ORIGIN

aiPolicy: Politik & Rahmenbedingungen

EU-Abgeordnete fordern Vorrang des Menschen gegenüber Artificial Intelligence

In einer Resolution haben EU-Parlamentarier in dieser Woche eine erklärbare und transparente Künstliche Intelligenz gefordert. Menschen müssten bei algorithmisch gestützten Entscheidungen immer das letzte Wort haben, niemand soll auf Basis seines Datensets diskriminiert werde dürfen und Hersteller von AI-Lösungen sollen klar definierten Pflichten unterworfen werden. Im DeepDive findet Ihr zu diesem Thema einen Link zu einem ausführlichen Dokument des Europäischen Parlaments. Die Wettbewerbskommisarin Vestager will einen erweiterten Entwurf im Februar diesen Jahres vorstellen. Vorab ist durchgesickert, daß in dem Papier gefordert wird, Technologie zur Gesichtserkennung massiv einzuschränken.

Andrian Kreye schreibt in einem Kommentar in der Süddeutschen Zeitung über die Überlegungen der EU, den Einsatz von AI sehr sorgfältig zu regulieren und formuliert etwas reißerisch, daß „Daten das neue Plutonium seien“.

Google-Chef Sundar Pichai will die Gefahren von AI besser in den Griff bekommen
(Foto: Michael Sohn / Picture Alliance)

Doch nicht nur die Politik stellt entsprechende Überlegungen an – auch in internationalen Konzernen wie Google ist das Thema virulent. So spricht der Google-Chef Sundar Pichai davon, daß die Künstliche Intelligenz gebändigt werden muss und Schaden und Nutzen genau abzuwägen sind.


aiDeepDive: Vertiefung zum Wochenende

Lesetipp 1: New York Times veröffentlicht Skandal um Clearview AI

Die New York Times deckt einen Skandal um Clearview AI auf, dessen Tragweite noch nicht absehbar ist. Das von dem Australier Hoan Ton-That aufgebaute Startup hat eine Gesichtserkennungstechnik entwickelt, die im weltweiten Netz ohne Kenntnis der betroffenen Personen Milliarden von Fotos gesammelt hat. Doch dies ist nur ein Teil des Skandals – angeblich geschah dies auch ohne Wissen und Zustimmung der entsprechenden Foto-Datenbanken wie z. B. der von Facebook und ähnlicher Unternehmen. Und: die Software wurde bereits an Hunderte von Polizei- und Ermittlungsbehörden in den USA verkauft.

Lesetipp 2: Der SPIEGEL greift die Clearview AI Story auf

In einem aktuellen Bericht greift der SPIEGEL den Skandal rund um das US-amerikanische Startup Clearview AI auf und stellt die Verbindung zu den aktuellen Überlegungen der verschiedenen EU-Institutionen her.

Lesetipp 3: Das Papier des Europäischen Parlaments zur AI-Ethik

Hier findet Ihr das bereits angekündigte ausführliche Papier des Europäischen Parlaments über Richtlinien zu einer Artificial-Intelligence-Ethik. Die Parlamentarier sind sich offenkundig auch darüber bewusst, daß der Grat zwischen sinnvoller Reglementierung und destruktiver Verhinderung von Technologie schmal ist.


aiTaillight: Ein FunFact zum Schluss

WAUWAU, Dr. Doolittle … wie AI zur Übersetzung von Tiersprache genutzt wird

Der Traum von Dr. Doolittle wird wahr … mit Artificial Intelligence wird Tiersprache für uns verständlich. Das Startup ZOOLINGUA möchte die Verbindung zwischen Hunden und ihren Besitzern verbessern. Mit Hilfe einer auf AI-Technologie beruhenden mobilen App sollen Menschen ihre lieben Vierbeiner besser verstehen. Aber auch andere Institutionen arbeiten an diesem Thema … die Laute von Hühnern werden durch das Georgia Institute of Technology untersucht, um den Einfluss verschiedener Umweltfaktoren auf deren Wohlbefinden zu analysieren. Zum Gackern?


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