aiLetter #1.13: AI-Trends 2020, Boschs AI-Offensive, AI-Hype im Gesundheitswesen, AI-Regeln aus dem Weißen Haus, AI-Neuheiten von der CES

Liebe Freunde des aiLetter,

auf geht es in ein neues Jahrzehnt, das, so verkünden es die Branchenkenner aktuell besonders lautstark, das Jahrzehnt der Artificial Intelligence wird. Deshalb widmen wir uns in dieser aiNews-Ausgabe dem ein oder anderen Ausblick auf das, was uns erwartet. So will zum Beispiel Bosch bis 2025 all seinen Produkten einen AI-Touch verpassen. Auch im DeepDive haben wir einige Lesetipps zu Expertenausblicken gesammelt.

Was sonst noch wichtig ist: Kann der AI-Hype im Gesundheitswesen halten, was er verspricht? Warum will die US-Regierung national zwar AI-Regulierungen einführen, international aber nicht bei der Gestaltung mit den anderen G7-Staaten mitspielen?

Im Taillight gibt es heute ein paar seeeehr nützliche AI-Tools von der Elektronikshow CES in Las Vegas.

Anke


ai@Work: Lösungen im Einsatz

AI Trends 2020: Hype und Potenziale

Fortune-Autor Jonathan Vanian macht in der aktuellen Ausgabe seines Newsletters vier Trends rund um Artificial Intelligence aus, die in 2020 Aufwind bekommen. Darunter: verstärkte Regulierung von AI durch Regierungen und eine zunehmende Relevanz chinesischer AI-Forschungsarbeiten. Als Metatrend wird es weiterhin darum gehen, wie aus Potenzialen gewinnbringende Business-Anwendungen werden – laut Fortune-Umfragen immer noch ein schwieriges Thema für viele Unternehmen.

Bosch: AI auf voller Linie

Der Elektronikkonzern will sich bis 2025 komplett auf Artificial Intelligence ausrichten. Jedes Produkt aus dem Hause Bosch soll dann einen AI-Anteil haben, sei es in der Entwicklung, im Produktionsprozess oder in der Anwendung. Entsprechend steigt der Bedarf an Fachpersonal in den kommenden Jahren. Rund 20.000 Mitarbeiter sollen für diese Entwicklung qualifiziert werden. Einen Fokus legt Bosch auf industrielle AI-Anwendungen.

AI in jedem Produkt: Mit dem Visual Visor bringt Bosch Artificial Intelligence in die Sonnenblende (Foto: Bosch)

Warner Bros.: Mit AI gegen Flops

Mit dem AI-basierten Projektmanagement-System des Unternehmens Cinelytic will die Filmproduktion zukünftig analysieren, welche Filme in welchen Regionen gut funktionieren würden und wann ein gutes Startdatum für bestimmte Filme ist. Als Datenbasis dient beispielsweise der Beliebtheitsgrad von Schauspielern.


aiInvest: Wer investiert wo?

Snap zahlt 166 Millionen US-Dollar für DeepFake-Start-Up

Das Unternehmen hinter der Social Media-App Snapchat – Snap – hat das ukrainische Start-up AI Factory übernommen. Dessen Team unter der Leitung des ehemaligen Snap-Ingenieurs Victor Shaburov, ist zum Beispiel für das neue Cameo Feature in Snapchat verantwortlich, mit dem Nutzer ihr Gesicht in verschiedene Videos und GIFs einbauen können. Diese Technologie basiert auf der auch im aiLetter bereits oft diskutierten AI-Anwendung für DeepFakes.

Lustiges Feature: Für den Entwickler der Cameos-Anwendung soll Snap um die 166 Millionen US-Dollar gezahlt haben (Foto: Techcrunch)

Google investiert in TypingDNA

Kann man Menschen anhand ihres Tippverhaltens auf einer Tastatur oder auf dem Smartphone erkennen? „Ja“ sagen die Entwickler des rumänisch-amerikanischen Start-ups TypingDNA. Mithilfe von Mustererkennung kann ihre Anwendung aktuell mit 99-prozentiger Sicherheit identifizieren, wer tippt. Dafür hat das Unternehmen jetzt von verschiedenen Investoren sieben Millionen US-Dollar eingesammelt, unter anderem von Googles AI-Fonds Gradient Ventures. Kunden für die Technologie gibt es laut Paul Ropa, CEO von TypingDNA, unter anderem im Finanzsektor, aber auch im Bildungssektor, da Lehrer so überprüfen könnten, welcher Schüler welche Inhalte selbst getippt hat.


aiLab: ein Blick in Forschung & Entwicklung

Healthcare-AI: Ist der Hype berechtigt?

Der Hype um Artificial Intelligence hat das Gesundheitswesen längst erreicht. Branchenexperten befürchten jedoch, dass die Erwartungen an AI-Anwendungen vielfach zu hoch sind. Ein Grund: Viele Tech-Start-ups publizieren ihre Erkenntnisse nicht mehr in sogenannten Peer-Review-Journalen, wo sie von der Forschungsgemeinschaft kritisch geprüft werden. In ihrem Artikel für Kaiser Health News argumentiert Healthcare-Journalistin Liz Szabo weiter, dass bisher kaum ein AI-Produkt im Gesundheitsbereich klinischen Tests unterzogen wurde. Auch Aufsichtsbehörden wie die US-amerikanische Food and Drug Administration (FDA) tun sich schwer mit entsprechenden Regulierungen von AI-Produkten.

AI-basierte Diagnose im OP

Ein konkretes Beispiel für AI-Anwendungen in der Diagnostik hat der Neurowissenschaftler Daniel Orringer mit seinem Team von der New York University entwickelt. Basierend auf einem neuronalen Netzwerk kann ein Hirntumor anhand von Gewebeproben innerhalb von zweieinhalb Minuten diagnostiziert werden, zum Beispiel während der Patient im OP liegt. Und das mit knapp 95-prozentiger Genauigkeit. Zum Vergleich: Ein Fachexperte braucht für die Gewebeanalyse ca. 30 Minuten, also mehr als 10 mal so lange ….

Hirntumore via Bilderkennung identifizieren: Eine neue Anwendung, entwickelt an der New York University, schafft dies in weniger als drei Minuten (Bild: Daniel Orringer, NYU Langone Health)

aiPolicy: Politik & Rahmenbedingungen

AI-Grundsätze aus dem Weißen Haus …

Die Administration von Donald Trump hat zehn Grundsätze für die Regulierung von Artificial Intelligence durch die US-Regierungsbehörden veröffentlicht. Diese sind Teil der American AI Initiative, mit der ein Weg hin zu einer nationalen Strategie für AI eröffnet werden soll. Die Ziele: die Beteiligung der Öffentlichkeit, das Vermeiden überbordender Regulierung und die Unterstützung von vertrauenswürdiger AI, die fair, transparent und sicher ist. Karen Hao erläutert den vermeintlichen Sinneswandel im Weißen Haus für den MIT Technology Review. Vor zwei Jahren wollte man dort nämlich noch nichts von AI-Regulierungen wissen …

… und US-Enthaltung in globaler AI-Initiative

Gleichzeitig beteiligt sich die US-Regierung jedoch nicht am internationalen Konsortium „Global Partnership on AI“. Sechs der G7-Staaten wollen in diesem Gremium globale Absprachen rund um den Einsatz von Artificial Intelligence treffen und so etwa ethischen Gesichtspunkten Rechnung tragen. US-Vertreter halten diese Regulierungen für überflüssige Bürokratie, die die AI-Entwicklungen von US-Unternehmen behindern könnten.


aiDeepDive: Vertiefung zum Wochenende

Vier Lesetipps, heute konzentriert auf verschiedene Perspektiven zum Auftakt des neuen AI-Jahrzehnts:

Mit einer archäologischen Brille auf neue Technologie schauen

AI-Expertin und Aufsichtsrätin Anastassia Lauterbach erläutert in ihrem Artikel für die WirtschaftsWoche, warum wir aktuell „Zeugen des technischen Endspurts einer jahrhundertelangen Entwicklungsgeschichte“ sind. Und wie wir mit einem geschulten und quasi „archäologisch geprägten“ Blick konstruieren können, was uns in Zukunft technologisch erwartet. Sie beantwortet auch, warum sich Unternehmen besonders mit „Explainable Artificial Intelligence“ (XAI) und „General Adversarial Networks“ (GAN) beschäftigen sollten. Spannende Lektüre!

Licht und Schatten: Von Big Data zu Big Intelligence

Tobias Kollmann, Professor für BWL und Wirtschaftsinformatik und Vorsitzender des Beirats Junge Digitale Wirtschaft (BJDW) im Bundeswirtschaftsministerium, argumentiert in seiner „Meinungsmache“ für das manager magazin, warum es ohne AI in Zukunft nicht mehr geht und wie das supervised und unsupervised Learning also das überwachte und unüberwachte Lernen von Algorithmen unser Leben besser machen wird, aber auch, welche kritischen Aspekte es zu meistern gilt.

USA und China machen, Deutschland diskutiert?

Während im Bundestag über die Gefahren von Artificial Intelligence diskutiert wird und die Bundesregierung mit der im November verabschiedeten AI-Strategie gerade einmal drei Milliarden Euro einsetzen will, erreichen die USA und China stetig neue AI-Meilensteine. So schildert es Sabine Kinkartz in ihrem Überblicksartikel für die Deutsche Welle. Mit dabei: anschauliche Anwendungsfälle von AI. Zum Beispiel: Chinesische Schüler in der Mensa bezahlen per Gesichtserkennung. Oder: AI-Entwickler des Hamburger Start-ups Cargonexx sorgen für weniger Leerfahrten von LKWs.

In 5 Schritten zu Menschen-zentrierter AI

Wie eine auf den Menschen fokussierte Artificial Intelligence aussehen könnte, haben Experten kürzlich an der MIT Sloan School of Management diskutiert und eine Roadmap mit fünf Schritten entwickelt. Das Webinar zu diesem Thema gibt’s im Video:


aiTaillight: Ein FunFact zum Schluss

CES Las Vegas: Ein Feuerwerk der Artificial Intelligence

Auf der diesjährigen Elektronikmesse CES in Las Vegas wollten sich die Unternehmen bei der Vorstellung ihrer AI-gestützten Produkte wahrlich übertrumpfen. Samsung ging mit diesen Highlights an den Start:

1. Der humanoide Chatbot Neon: Der digitale Avatar sieht aus wie ein Mensch, verhält sich wie ein Mensch und zeigt Emotionen und Intelligenz wie ein Mensch. Und: diese Videochatbots sprechen verschiedene Sprachen, können aber keine Fragen beantworten wie Amazons Alexa. Wo soll Neon also zum Einsatz kommen? Zum Beispiel als TV-Moderator oder Concierge. Ich bin gespannt, wann es soweit ist …

Foto: Neon

2. Ein intelligenter Ball übernimmt die Regie: Was wäre ein Haushalt in den 2020ern ohne Artificial Intelligence als Manager? Ballie, ein gelber Ball mit Kamera und AI im Blut, kümmert sich um Mensch und Tier. Na, wer damit sein Leben nicht im Griff hat …

Mit einem Klick auf das Bild geht’s zum Video:


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