aiLetter #1.12: AI & Beethoven, AI-News von Apple, Google, Fraunhofer, IBM, Samsung & Baidu, Bosch, AI-Forschung boomt, Finnland bietet AI-Kurs, aiDeepDive-Empfehlungen für die Feiertage, Nixon-DeepFake

Liebe Freunde des aiLetter,

in der letzten Ausgabe für dieses Jahr haben wir noch einmal eine bunte Mischung an News rund um Artificial Intelligence und Machine Learning zusammengetragen. So soll AI zum Beispiel helfen, Beethovens 10. Sinfonie zu beenden, Google will den Artenschutz mit AI-gestützter Bilderkennung unterstützen und Bosch will das Autofahren mit einem Gesichtserkennungsprogramm sicherer machen. Außerdem: Finnland bietet allen EU-Bürgern einen kostenlosen AI-Onlinekurs in ihrer eigenen Sprache an.

Im aiDeepDive findet Ihr für die anstehenden freien Tage einige Hör, Lese- und Videoempfehlungen, die das Thema AI aus verschiedenen Perspektiven beleuchten. Mit dabei: Robert Downey jr., der mit einem neuen Doku-Format über AI aufklärt.

Last, but not least, das Taillight: War die Mondlandung vor 50 Jahren wirklich erfolgreich? Oder sind Neil Armstrong und Co. vielleicht doch auf dem Mond gestrandet? Präsident Nixon schlägt neue Töne an – deepfaked… 😉

An den kommenden zwei Wochenenden legen wir eine Festtags- und Jahreswechsel-Pause ein und sind dann am 11. Januar wieder zurück mit News aus der Welt der AI. Bis dahin wünschen wir Euch viel Spaß beim aiLetter-Lesen, frohe Weihnachten und einen guten Start in das Neue Jahr.

Anke & Bernd


ai@Work: Lösungen im Einsatz

AI vollendet Beethovens 10. Sinfonie

Von der 10. Sinfonie existieren lediglich handschriftliche Notizen. Ein internationales Team aus Musikwissenschaftlern, Komponisten und Musikern will nun im Beethoven-Jahr mit einem auf Machine Learning basierenden System die fehlenden Passagen ergänzen und daraus eine vollendete Sinfonie entwickeln. Ende April soll diese dann vom Beethoven-Orchester in Bonn uraufgeführt werden.

Meine Siri hört nur auf mich

Im vergangenen Jahr hat Apples digitaler Assistenzdienst Siri sein Verhalten geändert. Das Helferlein im iPhone springt nur an, wenn der jeweilige Besitzer des Telefons „Hey Siri“ sagt, nicht, wenn eine andere Person dies tut. Der Grund: Apple nutzt „Federated Learning“ und „Differential Privacy“, um das Smartphone auf seinen individuellen Nutzer einzustellen und es so sicherer zu machen. Wie funktioniert das? Karen Hao erläutert es in ihrem Artikel.

Mit Gesichtserkennung gegen Rassismus im Stadion

Die italienische Fussballliga Serie A plant, rassistische Fangesänge im Stadion zukünftig mit automatisierter Gesichtserkennung zu identifizieren und die „Sänger“ ausfindig zu machen. Noch warten die Liga-Manager aber auf die Erlaubnis der Behörden.

Googles „Wildlife Insights“ soll Artenschutz unterstützen

Mithilfe von AI-Technologie sollen die Bilder von Wildkameras weltweit ausgewertet und so die Dokumentation erleichtert werden. Menschen können 300 bis 1000 Fotos pro Stunde durchforsten, die AI schafft in der gleichen Zeit 3,6 Millionen Bilder und klassifiziert die Tiere dabei automatisch. Trainiert wurde das System für 614 verschiedene Tierarten. Die Trefferquote des Systems liegt bereits bei 80 bis 98,6 Prozent.

AI-Kick für den Mittelstand

Drei Fraunhofer-Institute schließen sich zusammen, um mittelständischen Unternehmen mit dem „AI Kick-Starter Bundle“ einen schnellen Einstieg in eine AI-Expertise für smartere Fertigungsprozesse zu geben. Hier geht es zum Webauftritt der Initiative.


aiInvest: Wer investiert wo?

IBM wächst in Indien

Die AI-Plattform des Tech-Unternehmens kann sich in Indien über dreistellige Wachstumszahlen freuen. Investiert wird vor allem in multidimensionale Forschung in den Bereichen Landwirtschaft, Blockchain und Cognitive Retail. Das ist einer der Gründe, warum IBM mittlerweile 9,2 Prozent des globalen AI-Marktes kontrolliert, mehr als jedes andere Unternehmen. Der AI-Markt ist weltweit im vergangenen Jahr um 35,6 Prozent auf 28,1 Milliarden US-Dollar angewachsen. IBMs globale Umsätze im Bereich Cloud und Cognitive Software wuchsen im dritten Quartal 2019 um 6,4 Prozent auf 5,3 Milliarden US-Dollar an, inklusive der Umsätze mit dem AI-System Watson.

Samsung und Baidu investieren in Partnerschaft

Der südkoreanische Elektronikkonzern Samsung Electronics wird zukünftig AI-Chips für den chinesischen Tech-Konzern Baidu produzieren. Der Chip „Kunlun“ soll dort für AI-Anwendungen in den Bereichen natürliche Sprachverarbeitung, Spracherkennung, Bildverarbeitung und autonomes Fahren zum Einsatz kommen. Durch den Handelsstreit zwischen den USA und China haben es chinesische Tech-Unternehmen derzeit schwerer, an AI-Chips amerikanischer Hersteller wie Nvidia zu kommen, wie wir im Oktober im aiLetter berichtet haben.

45 Millionen US-Dollar für Healthcare-Start-up PAIGE

Das New Yorker Unternehmen PAIGE nutzt Deep Learning-Netzwerke, um Krebs zu erkennen. Die von Anlegern neu investierten Mittel will das Start-up unter anderem dafür nutzen, um seine Technologien von der US-amerikanischen „Food and Drug Administration“ (FDA), der zuständigen Aufsichtsbehörde, anerkennen zu lassen.


aiLab: ein Blick in Forschung & Entwicklung

Roboter hilft Schlaganfallpatienten

Wie können Roboter Menschen mit körperlichen Einschränkungen unterstützen? Zum Beispiel beim Haare kämmen … an der University of Southern California wurde ein Roboterarm entwickelt, der Patienten nach einem Schlaganfall bei der Haarpflege hilft und ihnen so den Alltag erleichtert.

Bosch: Mit Gesichtserkennung Autofahrer überwachen

Mit einem im Lenkrad eingebauten Kamerasystem und Gesichtserkennungssoftware will Bosch das Fahren sicherer machen. Das System soll erkennen, wann der Fahrer unaufmerksam ist, beispielsweise einschläft oder länger nach unten schaut. Warnsignale weisen den Fahrer dann auf seine Unaufmerksamkeit hin und können Ratschläge geben wie „rechts ranfahren“ oder „bitte wieder nach vorne schauen“. Das System soll 2022 in die Produktion gehen.

AI-Forschung boomt

Der AI Index Report 2019 zeigt auf, wie rasant sich die Anzahl von AI-bezogenen Forschungspublikationen zwischen 1998 und 2018 entwickelt hat: Heute werden dreimal so viele AI-Paper veröffentlicht, gemessen an der Gesamtmenge veröffentlichter Forschungspublikationen. In China werden heute mehr Publikationen in Journalen und auf Konferenzen veröffentlicht als in den USA, gleichauf ist Europa. Jedoch werden US-amerikanische Publikationen häufiger zitiert als chinesische. Damit haben sie eine höhere Reichweite und Sichtbarkeit.

Mithilfe eines Tools kann man in der Datenbank des AI Index Report komfortabel nach Informationen suchen.


aiPolicy: Politik & Rahmenbedingungen

AI-Kurs in allen EU-Sprachen

Die finnische Regierung bietet den Bürgern der EU einen kostenlosen AI-Onlinekurs in allen offiziellen EU-Sprachen an. So sollen bis Ende 2021 ein Prozent aller EU-Bürger ein Grundlagenverständnis von Artificial Intelligence und Machine Learning erhalten. Der Kurs basiert auf dem Onlinekurs „The Elements of AI“ von der Universität Helsinki, über den wir hier schon im Sommer berichtet haben.


aiDeepDive: Vertiefung zum Wochenende

Zum Jahresende habe ich einige Empfehlungen für einen AI-Reality-Check zusammengestellt. Viel Spaß beim Hören, Lesen und Anschauen!

Podcast-Tipp: Was steckt hinter dem AI-Hype?

Im ada Podcast diskutieren Miriam Meckel und Milena Merten, warum Artificial Intelligence von vielen Menschen vollkommen überschätzt wird, wie Unternehmen diesen Hype zu einem Geschäftsmodell machen und was AI denn nun wirklich ist.

Interview: AI-Community muss Verantwortung übernehmen

„Es gibt keine neutralen Plattformen“ – Psychologin und Aktivistin Celeste Kidd diskutiert im Interview mit dem MIT Technology Review, warum die AI-Community Verantwortung für ihre Technologien und deren nicht bedachte Effekte übernehmen muss. Ein wichtiger Punkt ist dabei, welcher Content durch algorithmische Systeme wie den Google-Algorithmus ausgespielt wird und wie sehr dies unsere Überzeugungen und damit unser Verhalten prägt.

Bericht: AI Now 2019 Report macht 12 Empfehlungen

In seinem Report stellt das „AI Now Institute“ der New York University Empfehlungen auf, wie Artificial Intelligence genutzt und reguliert werden sollte, um Probleme anzugehen, die rund um die Nutzung von Machine Learning und Co. entstehen. So solle die sogenannte Emotion Recognition bis auf weiteres verboten werden, da sie wissenschaftlich nicht eindeutig belegbar sei und deshalb nicht als Entscheidungsgrundlage etwa in Einstellungsprozessen oder im Gesundheitsbereich genutzt werden dürfte. Hier geht es zum Bericht.

Lesetipp: Persönlicher Eindruck

Wo werden Machine Learning-Technologien eingesetzt? Zum Beispiel auf Ölfeldern in Kasachstan. In seinem Bericht schildert ein anonymer AI-Ingenieur, wie große Tech-Unternehmen auf der einen Seite mit ihren Cloud- und AI-Kapazitäten die großen globalen Ölfirmen dabei unterstützen, den begrenzten fossilen Rohstoff noch effizienter zu fördern, während sie auf der anderen Seite ein Nachhaltigkeitsimage pflegen.

Kommentar: Weg vom „Arms Race“!

Warum die Entwicklung von AI zwischen den USA und China nicht als Wettlauf gesehen werden sollte, diskutieren Tim Hwang und Alex Pascal in ihrem Kommentar. Führend in einer Technologie zu sein, sei nicht das Gleiche wie zu gewinnen, so die Autoren, und argumentieren, warum globale Kollaborationen rund um AI-Technologien der einzige Weg sind, um mit AI die vielfältigen Probleme der Welt erfolgreich zu bearbeiten.

TV-Tipp: „The Age of A.I.“

In der Dokuserie, verfügbar auf Youtube, taucht Iron Man-Darsteller Robert Downey Jr. in die Welt der Artificial Intelligence ein und spricht mit Branchenexperten zu verschiedenen Nutzungsbereichen und Debatten rund um AI. Epsiode eins dreht sich um die Frage: Kann Artificial Intelligence Musik machen?


aiTaillight: Ein FunFact zum Schluss

Fake Nixon – deep…

Vergangene Woche ging es im aiLetter unter anderem um DeepFakes – Videomaterial, das mithilfe von AI-Techniken manipuliert wurde. Dabei geht es in vielen Fällen um Videomaterial von aktuellen Persönlichkeiten. Das Ganze funktioniert aber auch mit historischen Aufnahmen. Was wäre zum Beispiel, wenn die Mondlandung wirklich nie stattgefunden hätte und Richard Nixon verkünden musste, dass die Mission gescheitert ist …

US-Präsident Nixon verkündet, dass die Mondlandung gescheitert ist und Neil Armstrong und Co. nicht zurück auf die Erde kommen werden. Das Deepfake-Projekt „In Event of Moon Disaster“ zeigt, wie das hätte aussehen können.


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