aiLetter #1.8: AI in der Arbeitswelt, Twitter kauft Aiden.AI, Staatssekretär erklärt AI-TÜV, Facial Recognition im DeepDive, Roboter zum Anfassen

Liebe Freunde des aiLetter,

vor 14 Tagen berichteten wir, dass bei Uniper in Regensburg neue Stellen durch AI geschaffen werden. Ein Leser hat angemerkt, dass dies nur ein Teil der Wahrheit ist und dafür an anderer Stelle vermutlich Arbeitsplätze abgebaut werden. Danke für dieses Feedback! Im Fall Uniper wurden durch die Einführung von AI Arbeitsplätze aus Rumänien zurück nach Deutschland verlagert. In der Rubrik ai@Work setzen wir deshalb heute einen Schwerprunkt auf das Thema AI in der Arbeitswelt mit verschiedenen Einblicken in die (deutsche) Praxis und weiteren Stimmungsbildern aus aller Welt.

Außerdem: Twitter kauft Marketing-Startup mit AI-Tool, eine intelligente Software umgeht Internetzensur und Staatssektretär Björn Böhning erläutert den geplanten KI-TÜV des Bundesarbeitsministeriums. Im DeepDive liegt der Fokus heute auf dem Thema Facial Recognition. Zu guter Letzt: Die Roboter sind los … zumindest noch heute in Hamburg – das Taillight sagt euch, wo genau.

Nächste Woche wenden wir uns übrigens dem Thema Artificial Intelligence im Vertrieb zu. Dafür haben wir uns einen Gast-Kurator eingeladen.

Wenn euch der aiLetter gefällt, leitet ihn gerne an Menschen weiter, die sich auch für AI und Machine Learning interessieren (oder dies aus eurer Sicht tun sollten … ).

Viel Spaß beim Lesen wünscht

Anke


ai@Work: Lösungen im Einsatz

Praxis: AI im Einsatz in deutschen Unternehmen

Wie finde ich heraus, ob der Einsatz von Artificial Intelligence etwas für mein Unternehmen ist? Wie baue ich Kompetenzen auf und starte dann mit ersten Anwendungen? Einen ersten kleinen Überblick gibt ein Audiobeitrag von HR info. Einblicke geben unter anderem eine „KI-Trainerin“ aus Darmstadt, die Unternehmen bei der AI-Einführung unterstützt, der Betriebsrat eines IT-Unternehmens in Frankfurt am Main, der aus der Arbeitnehmerperspektive berichtet, sowie die hessische Digitalministerin.

Anwendungsbeispiel: AI vermittelt IT-Experten
Wie eine AI-gestützte Plattform Unternehmen helfen kann, schneller geeignete Dienstleister zu finden, zeigt das Beispiel des deutschen Startups Knooing. Mit Hilfe von Artificial Intelligence sucht die Plattform den besten aus rund 10.000 IT-Partnern mit der passenden Lösung zum Beispiel für IT-Sicherheit oder Big Data heraus.

Anwendungsbeispiel: Airbus macht Flugzeuge mit AI leichter
Bei Airbus hilft ein AI-gestütztes Designverfahren – das sogenannte generative Design – bei der Entwicklung leichterer Bauteile. Werden diese bald serienmäßig in den Airbus A 320 eingebaut, könnte durch die Gewichtseinsparung jährlich eine halbe Million Tonnen CO2 eingespart werden.

AI braucht Weiterbildung
Die von der Unternehmensberatung Gartner prognostizierten Trends in Data und Analytics legen nahe, womit Unternehmen zukünftig in der Data Economy erfolgreich sein werden. Artificial Intelligence und Machine Learning werden dabei als Kerntechnologie bezeichnet. Das Beispiel Augmented Analytics – Erweiterte Analyse – verdeutlicht eine zentrale Bildungsherausforderung: Data Literacy, das Verständnis der Mitarbeiter für Datenanalyse.

Ausblick: AI verspricht Wirtschaftswachstum

Würde Artificial Intelligence in deutschen Unternehmen flächendeckend eingesetzt, könnte das Bruttoinlandsprodukt im Vergleich zu 2019 bis 2025 um mehr als 13 Prozent steigen. So rechnet es eine Studie des Verbands der Internetwirtschaft (eco) und der Unternehmensberatung Arthur D. Little vor. Die Bereiche „Handel und Konsum“ sowie „Energie, Umwelt und Chemie“ könnten laut der Untersuchung am meisten profitieren.
Zum Download der Studie hier entlang.

Weltweite Stimmungsbilder zu AI
Die folgenden Zahlen zeigen, wie AI im Arbeitsalltag in anderen Ländern wahrgenommen wird.

Enthusiasmus: AI und Robotik halten Einzug in immer mehr Arbeitsumgebungen. Eine aktuelle Studie von Oracle und Future Workplace zeigt, dass 2019 bereits 50 Prozent der weltweit Befragten mit AI-Systemen zusammenarbeiten. Besonders in Asien (China: 77 Prozent, Indien: 78 Prozent). Männer sind tendenziell optimistischer gegenüber den intelligenten Maschinen. Interessant ist auch: 64 Prozent der Befragten würden einem Roboter mehr Vertrauen als ihrem Manager. In China und Indien sind es sogar fast 90 Prozent.

Vertiefung: Katharine Rooney greift die Zahlen von Oracle und Future Workplace in ihrem Artikel für das Weltwirtschaftsforum auf und diskutiert den Einfluss von AI auf die Arbeitswelt. Wie so oft gibt es auch Zahlen, die ein skeptischeres Bild zeichnen, hier im Video in Rooneys Artikel (detaillierter nachzulesen bei IPSOS Global Advisors). Demnach stehen 40 Prozent der weltweit Befragten AI skeptisch gegenüber. Nahezu die Hälfte befürwortet eine striktere Regulierung von AI-Nutzung in Unternehmen.


aiInvest: Wer investiert wo?

Twitter kauft AI-Marketing-Start-up

Das soziale Netzwerk hat das Londoner Start-up Aiden.AI übernommen. Mit dem Einsatz dessen AI-getriebener Plattform sollen Werber und Content-Entwickler auf Twitter die Performance von Anzeigen für kleine Unternehmen verbessern. So will das Start-up den „ersten AI-gestützten virtuellen Kollegen für Marketeers“ bereitstellen.


aiLab: ein Blick in Forschung & Entwicklung

AI gegen Internetzensur

Forscher an der Universität von Maryland haben ein AI-Tool entwickelt, das staatliche Zensurmaßnahmen von Internetzugängen umgehen kann. Die Software namens Geneva lernt mit und kann somit auch immer neue Beschränkungen meistern. Das System entdeckt auch Schlupflöcher, die den Forschern bislang nicht bekannt waren. Getestet wurde Geneva bisher in China, Indien und Kasachstan.

Internetzensur wie in China will die AI-Software Geneva umgehen (Bild: Gerd Altmann/pixabay)

aiPolicy: Politik & Rahmenbedingungen

Interview: Staatssekretär Björn Böhning erklärt „KI-Observatorium“

Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) setzt ein „KI-Observatorium“ ein. Dieses Gremium soll künftig die Chancen und Risiken von Artificial Intelligence bewerten. Wie das Gremium helfen soll, erklärt Staatssekretär Björn Böhning im Interview mit Meike Laaff von ZEIT online.


aiDeepDive: Vertiefung zum Wochenende

Podcast-Tipp: Wenn AI Gesichter erkennt

FaceID im Smartphone, Bilder taggen in sozialen Medien, Videoüberwachung im öffentlichen Raum, EasyPass am Flughafen … AI-gestützte Gesichtserkennung spielt in unserem Alltag bereits eine Rolle. Wo sie wie angewendet wird und was das für uns bedeutet, besprechen Léa Steinacker und Miriam Meckel im ada-Podcast. Nutzungsbeispiele der sogenannten Facial Recognition aus China, Indien, Frankreich, Großbritannien und den USA zeigen das Für und Wieder der Technologie auf.

Das im Podcast erwähnte Beispiel von Joy Buolamwini seht ihr hier im Video:

Lesetipp dazu: Facial Recognition kann Transgender-Personen nicht zuordnen

Unsere Gesellschaft wird immer diverser und individueller, doch das Beispiel der automatisierten Gesichtserkennung zeigt, wie AI-Technologien hier auch zu Problemen führen können. Rachel Metz beschreibt in ihrem Artikel für CNNBusiness, welche Probleme zum Beispiel für Menschen entstehen, die sich nicht als eindeutig „männlich“ oder „weiblich“ identifizieren und deshalb oft von Gesichtserkennungssoftware nicht eingeordnet werden können. Auch Frauen mit Kurzhaarschnitt oder Teenager werden von mancher Facial Recognition-Software nicht korrekt identifiziert. Deutlich wird dabei auch: AI-Entwickler, egal ob große Tech-Player oder kleine Start-ups, haben es schwer, zu kontrollieren, wie ihre Technologie letztendlich eingesetzt wird.

Gesichtserkennungssoftware hat Probleme bei der Identifizierung von Geschlechtern (Bild: CNN.com)

aiTaillight: Ein FunFact zum Schluss

Die Roboter sind los …

… zumindest noch heute von 12 bis 18 Uhr im Hamburger Hammerbrooklyn.DigitalCampus. Beim Speed Dating mit KI könnt ihr den ein oder anderen kennenlernen.

Ich habe gestern die Bekanntschaft von Emma gemacht. Sie ist ein humanoider Serviceroboter, der in einem Projekt der Fachhochschule Kiel mit Demenzkranken eingesetzt wird. Emma kann sich Gesichter merken, stellt Quizfragen, hat mit der Ghettofaust auch ein Fünkchen Streetcredibility am Start und rastet auf dem Dancefloor einigermaßen aus – Gangnam… äh Roboterstyle versteht sich 😜

Achja, eigentlich heißt der Roboter von IBM ja Pepper, aber „Emma” gefiel den Bewohnern in der Demenz-WG besser.


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